Forschungs- und Innovationsprojekt
Entwicklung einer alternativen Siloabdeckung

Mitarbeiter spritzt flüssige Silageabdeckung auf Testsilo auf

Die Konservierung von Futtermitteln erfolgt bei der Silierung durch Milchsäuregärung, die nur unter anaeroben Bedingungen stattfinden kann. Der gasdichte Abschluss der Silage ist hierfür Grundvoraussetzung und wird nach derzeitigem Stand der Technik mit erdölbasierten Kunststofffolien erreicht. Eine geeignete Silageabdeckung muss über den Zeitraum von mindestens zwölf Monaten einer Vielzahl an äußeren Einflüssen standhalten. Sie muss wind- und wasserfest sein sowie eine sehr gute UV- und Temperaturstabilität besitzen. Das Verfahren der konventionellen Abdeckung des Silos mit Kunststofffolien ist arbeitsintensiv und birgt Unfallgefahren beim Zu- und Aufdecken. Zudem ist die Entsorgung der Folien nach der Nutzung aufwändig.

Ziel

Ziel dieses Vorhabens war es, eine umweltfreundliche, aufspritzbare und selbsthaftende Abdeckung für Silage auf Basis Nachwachsender Rohstoffe bis zur Praxisreife zu entwickeln. Die Abdeckung soll mit der Silage entnommen werden, in Biogasanlagen verwertbar und gegebenenfalls verfütterbar sein.

Vorgehen

  • Entwicklung einer für die Applikation durch Spritzen optimierten Rezeptur mit begleitenden Laboruntersuchungen
  • Prüfung der Kompatibilität mit Siloanstrichen
  • Bewitterungs- und Gärglasversuche
  • Praxisnahe Silierung in Miniatursiloanlagen mit In-situ Sauerstoffmessung
  • Untersuchung der anaeroben und aeroben Abbaubarkeit
  • Entwicklung eines Konzepts zum Aufsprühen des Materials
  • Prüfung von Material und Applikationskonzept an einem Freigärhaufen
  • Wirtschaftlichkeitsabschätzung des Verfahrens

Projektergebnisse

  • Identifizierung von zwei vielversprechenden Zwei-Komponenten-Rezepturen durch Labor-, Bewitterungs- und Gärglasversuche
  • Abdeckmaterial kompatibel mit Siloanstrichen auf Basis von Epoxidharz, Polyurethan und Acrylpolymeren
  • anaerober Abbau in Biogasanlagen erfolgreich – jedoch Abbauzeiten über 3 Monate
  • aerober Abbau im Komposter möglich – auch hier langsamer Abbau
  • Möglichkeit der Mitverfütterung nicht abschließend geklärt – mit Ausnahme des Naturkautschuks sind alle Bestandteile für den Futtermitteleinsatz zugelassen
  • Vorentwicklung eines Prototyps (Anbaugerät) zum Aufsprühen des Materials
  • Abdeckung eines Freigärhaufens mit dem Material durch den Prototyp erfolgreich
  • Silagequalität des Freigärhaufens nach acht Monaten gut bis sehr gut (nach DLG Schlüssel)
  • Kosten des neuen Abdeckverfahrens voraussichtlich höher als das konventionelle Verfahren mit Plastikfolie

Vorteile des Verfahrens

  • geringe Windanfälligkeit da selbsthaftend
  • hohe Schlagkraft beim Zudecken bei geringem Personaleinsatz möglich
  • kein Abdecken nötig (geringe Unfallgefahr im Vergleich zur Plastikfolie)
  • kein Plastik im Futter und in der Umwelt
  • Entsorgung über Biogasanlagen

Fazit und Ausblick

  • Vorentwicklung des Verfahrens der aufspritzbaren, abbaubaren Silageabdeckung erfolgreich abgeschlossen und patentiert
  • Industriepartner zur Weiterentwicklung des Verfahrens zur Marktreife sowie zur Markteinführung gesucht

Sechs Einmachgläser gefüllt mit dunklem Material und weißem Schaum stehen auf Labortisch

Versuche mit "Gärgläsern"

Zwei Grabenwalzen fahren über Mais in kleinen Versuchssilos, Fotoaufnahme von oben

Verdichtung durch Grabenwalzen

Betonierte U-Betonformen dienen als Versuchssilos. Davon sind zwei Reihen mit fünf Silos hintereinander aufgebaut.

Miniatursilos mit neuartigem Abdeckmaterial

Person steht einem Silohaufen, der von Traktor mit Gerät mit weißen Material bespritzt wird.

Abspritzen eines Freigärhaufens

Versuchssilohaufen, die mit einem Hoflader vorbereitet werden

Freigärhaufen nach sieben Monaten

Zwei Düsen an Aluprofil montiert, spritzen weißes Material auf hellblaue Folie

Test von Applikationsdüsen

Weitere Informationen

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"Silofolie zum Aufspritzen: Rapsöl statt Plastik" | Das Filmteam von Unser Land war am TFZ zu Besuch (veröffentlicht am 21.10.2016)
Goldmedaille der Messe EnergyDecentral 2018 für den Innovation Award
DLG Innovation Award Gold
Gold für die aufspritzbare Silageabdeckung auf der EnergyDecentral 2018! Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber hat zur Auszeichnung mit dem Innovation Award in Gold durch die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) gratuliert. „Wir sind sehr stolz auf diese hohe Auszeichnung. Denn die Goldmedaille ist ein sichtbares Zeichen, dass unsere bayerischen Forschungseinrichtungen hervorragende Arbeit leisten und praxistaugliche Ergebnisse liefern, die auch über die Landesgrenzen hinaus Beachtung finden“. Ausgezeichnet wurde damit die erfolgreiche Arbeit der Straubinger Forschungseinrichtung an einer aufspritzbaren Silage-Abdeckung aus nachwachsenden Rohstoffen.

Pressemitteilung von der EuroTier/EnergyDecentral 2018 Externer Link

Cover Messezeitung
TFZ-Innovation
Die Broschüre geht auf die Forschungsarbeiten rund um die Entwicklung der aufspritzbaren Silageabdeckung (plus Englisch Version) ein. Neben der Darstellung der wissenschaftlichen Arbeiten werden Grundlagen des Silierens, die Abbaubarkeit und Wirtschaftlichkeit aufgegriffen.

Download pdf 1,6 MB

Projektinformationen
Projektleiter: Dr. Edgar Remmele
Förderung: Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten

Einzelprojekte
Projekt 4: Überführung einer Siloabdeckung auf Basis Nachwachsender Rohstoffe in die Praxisreife
Projektbearbeiter: Veronika Schreieder, Mirjana Bubalo Ivanisevic, Jakob Meyer
Laufzeit: 2015 – 2018
Kooperationspartner: Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (ITE, ILT), Wissenschaftszentrum Straubing (WZS)

Projekt 3: Weiterentwicklung einer Siloabdeckung auf Basis Nachwachsender Rohstoffe
Projektbearbeiter: Dr. Sabine Simon, Mirjana Bubalo Ivanisevic, Jakob Meyer
Laufzeit: 2012 – 2014
Kooperationspartner: Wissenschaftszentrum Straubing (WZS), Hochschule Weihenstephan-Triesdorf – Fachgebiet für Analytische und Organische Chemie, Technische Universität München – Fachgebiet Biogene Polymere

Projekt 2: Entwicklung einer Siloabdeckung aus Nachwachsenden Rohstoffen
Projektbearbeiter: Anne Uhl, Thomas Gassner
Laufzeit: 2009 – 2011
Kooperationspartner: Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft – Institut für Tierernährung und Futterwirtschaft, Fraunhofer-Institut für Elektronenstrahl- und Plasmatechnik (FEP)

Projekt 1: Entwicklung einer Siloabdeckung aus verfütterbaren Rohstoffen
Projektbearbeiter: Thomas Gassner
Laufzeit: 2005 – 2006
Kooperationspartner: Fraunhofer-Institut für Elektronenstrahl- und Plasmatechnik (FEP)

Logo des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten