Riesenweizengras (Agropyron elongatum)

Riesenweizengras
Das Riesenweizengras wird häufig auch als Ungarisches Riesengras, Hirschgras oder Hohes Weizengras bezeichnet. Es zählt zur Familie der Süßgräser (Poaceae) und ist, wie der Name verrät, tatsächlich mit dem Weizen verwandt. Ursprünglich stammt das ausdauernde Gras aus Vorderasien. Es wird bis zu zweieinhalb Meter hoch, bildet Horste und ein sehr tiefreichendes Wurzelsystem. Das Riesenweizengras gilt als wärmeliebend, trockentolerant und liefert unter geeigneten klimatischen Bedingungen stattliche Erträge. Die mögliche Nutzungsdauer beträgt mindestens zehn Jahre. Bei Codierung als „Riesenweizengras (Szarvasigras)“ (853) im Flächen- und Nutzungsnachweis bleibt der Ackerstatus der Fläche trotz der Anbaudauer von über fünf Jahren erhalten. Im Etablierungsjahr bildet das Gras vor allem die unterirdischen Pflanzenteile aus, sodass erst ab dem zweiten Standjahr geerntet werden kann. Derzeit überwiegt die Nutzung als Biogassubstrat, jedoch ist auch die Verwendung als Brennstoff oder eine stoffliche Verarbeitung denkbar. Aufgrund der Vorteile als Dauerkultur und durch einen guten Flächenertrag wird das Riesenweizengras am TFZ als Energiepflanze erforscht.
Riesenweizengras-Bestand

Riesenweizengras-Bestand

Riesenweizengras-Bestand in der Blüte

Riesenweizengras-Bestand in der Blüte

Rispen des Riesenweizengrases in der Blüte

Rispen des Riesenweizengrases

Abgereifter Riesenweizengras-Bestand

Abgereifter Riesenweizengras-Bestand

Saatgut-Riesenweizengras

Saatgut-Riesenweizengras

Anbauhinweise

Standortansprüche:

  • Das anspruchslose Gras wächst auf nahezu allen Standorten. Am häufigsten ist es jedoch auf sandig-lehmigen Böden und in trockeneren Lagen zu finden.
  • In niederschlagsarmen Jahren kann es hier sogar den Ertrag von Mais erreichen.
  • Nach der ersten Ernte während der heißen Sommermonate legt das Gras eine Wachstumspause ein, bevor es erneut austreibt und im Herbst ein zweites Mal geschnitten werden kann.

Saat:

  • Die Dauerkultur bietet den Vorteil einer einfachen Drillsaat, die von Juni bis August erfolgen kann.
  • Da sich das Gras während der Jugend nur langsam entwickelt, ist eine spätere Aussaat von Vorteil. Der Boden sollte feinkrümelig vorbereitet sein.
    • Saatstärke: 15 bis 25 kg/ha (je schwerer der Standort, desto höher die Saatstärke)
    • Reihenabstand: 12 bis 15 cm (Getreideabstand)
    • Saattiefe: möglichst flach, optimal 1 cm (nach der Aussaat sollte der Boden durch Anwalzen rückverfestigt werden!)

Pflege:

  • Aufgrund der langsamen Jugendentwicklung sind vor allem in den ersten beiden Jahren Pflanzenschutzmaßnahmen erforderlich.
  • Zur mechanischen Unkrautkontrolle besteht die Möglichkeit, ein bis zwei Schröpfschnitte durchzuführen. Diese regen gleichzeitig die Bestockung an. Hierbei nicht tiefer als 10 cm Schnitthöhe schneiden, um den Wiederaustrieb nicht zu schwächen.
  • Für den Einsatz in Riesenweizengras ist mittlerweile die Zulassung für eine Reihe von Herbiziden (nach Artikel 51 der Verordnung (EG) 1107/2009, Ausweitung des Geltungsbereichs von Zulassungen auf geringfügige Verwendungen) ausgeweitet worden. Genauere Informationen dazu finden Sie in der Rubrik "Weiterführende Informationen".
  • Weitere Herbizide müssen erst mittels einzelbetrieblicher Genehmigung nach § 22 Abs. 2 PflSchG beantragt werden. Generell sind alle Getreideherbizide verträglich.

Düngung:

  • Nach neuer Düngeverordnung ist zur Etablierung die bisher empfohlene Startdüngung von ca. 60 kg N/ha nur noch möglich, wenn eine Ernte im selben Jahr stattfindet.
    • Der Aufwuchs des Riesenweizengrases im Anlagejahr ist in der Regel jedoch gering, eine Ernte findet meist nicht statt. Um jedoch die Einhaltung der Vorgaben zu gewährleisten, ist ein Verzicht auf eine Startdüngung ratsam. Bei einer späten Saat (nach Hauptfrucht) oder einer Etablierung als Untersaat (z.B. unter Getreide mit Ernte der Deckfrucht vor 15.9.) gilt Riesenweizengras als Zwischenfrucht und darf als solche, nach Ernte des Getreides, noch mit 30 kg Ammonium- bzw. 60 kg/ha Gesamtstickstoff gedüngt werden.
  • Ab dem zweiten Standjahr sollte der N-Bedarfswert für das Riesenweizengras bei 200 kg N/ha für einen mittleren Etrag von 550 dt FM/ha (28 % TS) liegen und in zwei Gaben verabreicht werden.
  • Zu Vegetationsbeginn sollte eine Düngergabe von bis zu 120 kg N/ha und nach dem ersten Schnitt zum zweiten Aufwuchs von bis zu 80 kg N/ha verabreicht werden. Je nach Standort ist eine Teilgabe mit einem schwefelhaltigen Dünger möglich. Bei Etragsdifferenzen von 50 dt FM/ha können Zu- und Abschläge in Höhe von +10 bzw. -15 kg N/ha berücksichtigt werden (Stand: März 2018).
  • Auch eine Düngung mit Wirtschaftsdüngern wie z.B. Gülle oder Gärresten ist gut verträglich.

Ernte:

  • Bei der Verwendung als Biogassubstrat kann das Riesenweizengras zweimal pro Jahr geerntet werden.
  • Der erste Schnitt findet im Juni zu Blühbeginn, der zweite zu Vegetationsende bei einem TS-Gehalt von rund 28 % statt. Um eine möglichst hohe Methanausbeute und eine gute Verdichtung im Silo zu erreichen, sollte der Bestand nicht zu spät geerntet werden.
  • Bei der thermischen Nutzung wird der Bestand im Frühjahr in vertrocknetem Zustand bei einem TS-Gehalt von mind. 85 % geerntet.
  • In schneereichen Lagen muss mit Lager gerechnet werden.
  • Da das Riesenweizengras aus dem Stand den gewünschten TS-Gehalt hat und daher nicht angewelkt werden muss, empfiehlt sich zur Beerntung ein Häcksler mit GPS-Vorsatz. Ein absätziges Verfahren mit vorausgehender Mahd würde zu sehr hohen TS-Gehalten und Verlusten im Silo führen.

Weiterführende Informationen

Publikationen