Anbauhinweise Faserhanf

Sortenwahl

  • für den Faserhanf sind vor allem die Kriterien Röststrohertrag und Fasergehalt von besonderer Bedeutung
  • Sortenbeispiele mit Ergebnissen aus TFZ-Testanbau 2019:
    Santhica 27: niedrigster Röststrohertrag; 90 dt TM/ha
    Santhica 70: mittlerer Röststrohertrag; 100 dt TM/ha
    Futura 75: höchster Röststrohertrag; 116 dt TM/ha
    Fibror 79: mittlerer Röststrohertrag; 105 dt TM/ha

Saat

  • Saatstärke: 60 bis 80 kg/ha oder 200 bis 300 keimfähige Körner pro m2 [3]
  • Reihenweite: 12 bis 20 cm [2]
  • Saattiefe: 3 bis 4 cm; zu tiefe Ablage führt zu lückigem Feldaufgang; bei zu seichter Ablage besteht die Gefahr von Vogelfraß oder der Austrocknung des Saatkorns [2]
  • Aussaat: etwa ab Mitte April bei einer Bodentemperatur von 5 bis 10 °C; Hanfkeimling ist bis zum Fünfblattstadium gegenüber Temperaturen von weniger als -5 °C empfindlich [2]
  • Technik: Getreidedrille

Pflege

  • bei richtiger Bestandsführung sind beim Faserhanf keine chemischen Pflanzenschutzmaßnahmen erforderlich
  • für Nutzhanf sind in Deutschland bisher keine Pflanzenschutzmittel zugelassen
  • hinsichtlich der Unkrautregulierung ist es wichtig, dass dem Hanf durch eine optimale Aussaat günstige Startbedingungen für eine rasche Jugendentwicklung bereitgestellt werden

Düngung

  • Düngeform und Düngezeitpunkt: Mineraldüngung kann vor, zur oder nach der Aussaat erfolgen; organische Düngung sollte im Frühjahr vor Aussaat stattfinden [2]
  • Stickstoffbedarfswert: 160 kg/ha, bei einer Ertragserwartung von 150 dt/ha [1]
  • Düngung TFZ-Testanbau 2019:
    niedrige Düngestufe: Stickstoffangebot 126 kg/ha war für diese Nutzungsrichtung ausreichend (Nmin 66 plus 60 kg/ha mineralischer Stickstoff);
    hohe Düngestufe: Stickstoffangebot von insgesamt 180 kg/ha erzielte einen signifikanten Mehrertrag gegenüber der niedrigen Düngestufe (Nmin 66 plus 114 kg/ha mineralischer Stickstoff, Ertragserwartung von 250 dt/ha, vgl. Leitfaden für die Düngung von Acker- und Grünland [6] [1])

Ernte

  • Erntefreigabe: unter normalen Wachstumsbedingungen ist Nutzhanf bis mindestens 10 Tage nach dem Ende der Blüte weiterzupflegen und darf erst beerntet werden, wenn Freigabeschein von BLE erhalten wurde oder die Kontrolle durchgeführt wurde (für weiterführende Informationen siehe „Rechtliche Regelungen“)
  • Termin: für feine Fasern während Vollblüte (20 % männliche Staubbeutel geöffnet); für technische Fasern am Ende der Blüte oder Anfang der Samenreife (ca. 4 Wochen nach Beginn der Blüte, erste Samen angesetzt)
  • Technik:
    Mähwerk: sehr scharfe Messer notwendig;
    Spezialmaschinen z. B. Maschinensystem „HempCut“ mit reihenunabhängigem Kemper-Mähvorsatz, bei dem das Häckseltrommelaggregat aus nur einer Messereinheit besteht oder Erntesystem „Tebeco“, bei dem die Einkürzung des Stängels über das Scherenschnittprinzip mit einem dreistufigem Doppelfingerschneidwerk erfolgt [4] [5]
    Ballenpresse: nach Röste folgend

Quellen

[1] BAYERISCHE LANDESANSTALT FÜR LANDWIRTSCHAFT (LFL) (2019): Basisdaten. für die Umsetzung der Düngeverordnung. Stand: Januar 2019: Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL), 49 Seiten

[2] BÓCSA, I.; KARUS, M. (1997): Der Hanfanbau. Botanik, Sorten, Anbau und Ernte. Heidelberg: C.F. Müller, 173 Seiten, ISBN 3-7880-7568-6

[3] BOULOC, P.; SERGE, A.; ARNAUD, L. (2013): Hemp. Industrial production and uses. Wallingford, Oxfordshire, UK: CABI, 313 Seiten, ISBN 978-1-84593-792-8

[4] GUSOVIUS, H.; PAULITZ, J. (2009): Current developments for efficient raw material supply procedures enforcing costeffective bast fibre production in Europe. Journal of Biobased Materials and Bioenergy, Jg. 3, S. 262–264

[5] GUSOVIUS, H.-J.; HOFFMANN, T.; BUDDE, J.; LÜHR, C. (2016): Still special? Harvesting procedures for industrial hemp. Landtechnik. Agricultural Engineering. Jg. 71, Nr. 1, S. 14–24

[6] WENDLAND, M.; DIEPOLDER, M.; OFFENBERGER, K.; RASCHBACHER, S. (2018): Leitfaden für die Düngung von Acker- und Grünland. Stand: Januar 2018. 14. Aufl. Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) (Hrsg.). Freising-Weihenstephan: Institut für Ökologischen Landbau, Bodenkultur und Ressourcenschutz. LfL Information; Gelbes Heft, 98 Seiten