Sorghum blüht bei Hitze auf – TFZ veranstaltet Feldtag zu 20 Jahren Sorghum-Forschung
Straubing, 28.08.2026. Sie ähnelt Mais, kommt aber mit hohen Temperaturen besser zurecht – Sorghumhirse kann für Landwirte zukünftig eine hitzetolerante Alternative darstellen. Beim diesjährigen Feldtag des Technologie- und Förderzentrums (TFZ) stand Sorghum als Energiepflanze im Fokus – auch weil das TFZ in diesem Jahr 20 Jahre Sorghum-Forschung feiert. Auf den Straubinger Versuchsflächen am Aiterhofener Rennweg stellten die Wissenschaftler zudem Feldversuche zu Nutzhanf und Durchwachsener Silphie vor. Etwa 40 Interessierte aus Praxis und Forschung wohnten der Veranstaltung bei.
Mit langen grünen Blättern, hohen kräftigen Stängeln und markanten Rispen präsentiert sich Sorghum selbstbewusst auf den Straubinger Versuchsfeldern des TFZ. Die hohen Temperaturen dieses Sommers machten der Pflanze nicht zu schaffen – im Gegenteil. Ihre Wurzeln reichen tief ins Erdreich – so entgehen die Pflanzen Trockenstress. Deutlich wird dies mithilfe eines Bodenprofils, das die Wissenschaftler extra für den Feldtag angelegt haben. „Wir sehen hier Wurzeln bis in 1,75 Metern Tiefe, das hat es Sorghum ermöglicht, sich mit Wasser zu versorgen“, erklärt Dr. Maendy Fritz, Abteilungsleiterin am TFZ. Zudem sei Sorghum anspruchslos, wie Versuche mit unterschiedlichen Düngevarianten belegen. Der angebaute Referenzmais zeige durch seine teils vertrockneten Blätter, dass ihm mit seiner Durchwurzelung bis maximal 1,40 Metern das Wasser ausging.
Anbau und die Auswertung von Sorghum haben am TFZ eine lange Tradition. Die ersten Sortenscreenings führte die Straubinger Forschungseinrichtung vor 20 Jahren durch. „Das bedeutet unabhängige Tests und eine jährlich aktuelle Entscheidungsgrundlage für Landwirte“, sagt Fritz. Auf den Versuchsflächen wird deutlich, was Sortenscreening bedeutet – in den Parzellen wachsen niedrige, für Drusch optimierte Körnerhirsen, mittelhohe qualitätsbetone Dualtypen und hohe, ertragsstarke Biomassetypen. Insgesamt 53 Sorten testet das TFZ heuer in den Feldversuchen und prüft, welche Sorten unter bayerischen Anbaubedingungen überzeugen. Dabei liegt der Fokus stets auf der Verwertung als Biogassubstrat. „Es kann sein, dass etwa durch kalte Nächte vor der Ernte gestresste Pflanzen Blausäure entwickelt haben, die sich auch nach Silierung nicht komplett abbaut, deshalb raten wir von einer Verfütterung ab!“, so Fritz.
Auf weiteren Parzellen stellten Forscher Nutzhanf und Durchwachsene Silphie vor – Kulturen, die auf geeigneten Standorten ebenfalls trockentolerant sind und das Kulturartenspektrum erweitern. Susanne Scholcz, wissenschaftliche Mitarbeiterin am TFZ, ging dabei auf die vielen Verwertungspfade von Nutzhanf ein, die von Kosmetik bis Baumaterial reichen. Sie gab zu bedenken, dass es in Bayern noch an einer Verarbeitungslinie für Hanfstroh mangele. Nutzhanf brauche ausreichend Wasser und Nährstoffe zur Keimung, sei nach überstandener Jugendphase aber robust und anspruchslos.
Weshalb sich die gelb blühende und bis zu drei Meter hohe Durchwachsene Silphie für grundwassersensible Standorte eignet, erklärte Sebastian Parzefall, wissenschaftlicher Mitarbeiter am TFZ. Durch ihre tiefgründige Durchwurzelung und lange Wachstumsphase bindet sie Nährstoffe, die sonst in tiefere Bodenschichten verlagert werden. Damit könne sie Nitratverluste effektiv verhindern.
Wer sich einen Eindruck der genannten Energie- und Rohstoffpflanzen verschaffen möchte, kann den „Schaugarten TFZ“ in der Nähe der Parzellen besichtigen. Er ist ganzjährig für Besucher geöffnet und besonders attraktiv zur Blütezeit. Informationen dazu gibt es unter https://www.tfz.bayern.de/lehnerfeld.

Blick in das Bodenprofil auf dem Versuchsfeld
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